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OT-Security · IT/OT-Trennung

IT/OT-Netzwerksegmentierung: Brandschutz für die digitale Fabrik

Die strikte Trennung von Büro-IT und Produktions-OT ist die wirkungsvollste Einzelmaßnahme gegen Ransomware. Firewalls, DMZ und sichere Fernwartungskonzepte verhindern, dass ein kompromittierter Büro-PC die Produktion lahmlegt.

IT/OT-TrennungDMZFirewallVPN / Fernwartung

Der typische Ransomware-Angriff auf ein Fertigungsunternehmen beginnt nicht im OT-Netz. Er beginnt mit einer Phishing-E-Mail im Büro-Netz, kompromittiert einen Büro-PC, und bewegt sich dann über gemeinsam genutzte Netzwerklaufwerke, schlecht konfigurierte Domänen-Trusts oder direkte Netzwerkverbindungen seitlich in das Produktionsnetz. Ohne Segmentierung ist der Weg ungehindert.

Das Drei-Zonen-Modell

Das bewährteste Grundmodell für die IT/OT-Trennung ist ein Drei-Zonen-Konzept nach IEC 62443:

Zone 1 – Enterprise (IT): Büro-PCs, ERP-Server, E-Mail, Internet-Gateway. Standard-IT-Sicherheitsmaßnahmen (Antivirus, MDM, E-Mail-Filterung). Kommunikation nach außen erlaubt.

Zone 2 – Demilitarisierte Zone (DMZ): Die Pufferzone zwischen IT und OT. Enthält Historian-Server (Datenpuffer), Fernwartungs-Jump-Server, MES-Datenbankserver (soweit IT-seitig). Kein direkter Netzwerkpfad zwischen Zone 1 und Zone 3 – alle Daten fließen über die DMZ.

Zone 3 – OT/Control Network: SCADA-Server, HMI-Workstations, SPS-Netzwerksegmente, Engineering-Workstations. Kein Internet-Zugang, keine Domain-Mitgliedschaft (oder separate OT-Domain), strikt eingeschränkte Kommunikationsbeziehungen.

Firewall-Konzept für die OT-Grenze

Die Firewall zwischen DMZ und OT-Zone sollte als Whitelist-Firewall konfiguriert sein: Nur explizit erlaubte Kommunikationsbeziehungen (Quell-IP, Ziel-IP, Port, Protokoll) sind durchgelassen, alles andere wird blockiert und geloggt. Typische erlaubte Verbindungen:

  • Historian-Server (DMZ) → SCADA-OPC-UA-Server (OT): TCP 4840 (OPC UA)
  • MES-Server (DMZ) → SPS-Segment (OT): TCP 102 (S7-Kommunikation) für spezifische SPS-IPs
  • Engineering-PC (OT) → Internet (via IT-Proxy): nur bei explizitem Ticket-Freigabeprozess

OT-spezifische Firewalls (z. B. Fortinet FortiGate OT-Edition, Cisco Cyber Vision) verstehen industrielle Protokolle (Modbus, S7, PROFINET) und können Deep Packet Inspection auf Protokollebene durchführen – ein normaler IT-Firewall kann Modbus-Anfragen inhaltlich nicht prüfen.

Sichere Fernwartung: das kritische Gateway

Fernwartungszugänge für externe Maschinenbauer sind der am häufigsten missbrauchte Angriffsvektor in OT-Umgebungen. Best-Practice-Konzept:

  • Dedizierter Fernwartungs-Jump-Server in der DMZ: Externer Techniker verbindet sich mit VPN auf Jump-Server, von dort auf Maschine – keine direkte Verbindung vom Internet ins OT-Netz.
  • Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle Fernzugänge: Passwort allein reicht nicht.
  • Sitzungsaufzeichnung: Alle Remote-Sessions werden aufgezeichnet und 90 Tage archiviert (Forensik und Compliance).
  • Time-limited Access: Fernwartungszugang wird für definiertes Zeitfenster freigeschaltet und danach automatisch deaktiviert.
  • Vendor-spezifische VLANs: Jeder Lieferant erhält nur Zugang zu seinen Maschinen, nicht zum gesamten OT-Netz.

VLAN-Segmentierung im OT-Netz

Innerhalb des OT-Netzes empfiehlt IEC 62443 weitere Mikrosegmentierung per VLAN: SPS-Linie-A ist in einem anderen VLAN als SPS-Linie-B. Engineering-Workstations haben keinen direkten Zugriff auf HMI-Stationen. Damit wird der Bewegungsradius eines Angreifers auch innerhalb des OT-Netzes eingeschränkt.