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OT-Security · Norm

IEC 62443: die Sicherheitsnorm für industrielle Automatisierungssysteme

IEC 62443 ist die weltweit anerkannte Normenreihe für die Cybersicherheit industrieller Automatisierungs- und Steuerungssysteme (IACS). Das Zones-and-Conduits-Modell strukturiert den Schutz von Fertigungsanlagen systematisch.

IEC 62443OT-SecurityIACSRansomware-Schutz

Ransomware-Angriffe auf Fertigungsunternehmen haben in den Jahren 2021–2025 massiv zugenommen. Die Angriffskette ist bekannt: Phishing-Mail in der IT-Umgebung → seitliche Bewegung ins OT-Netz → Verschlüsselung von SCADA-Servern und SPS-Programmen → Produktionsstopp. Die IEC 62443-Normenreihe definiert, wie dieser Angriffskette systematisch begegnet wird.

Struktur der IEC 62443-Normenreihe

Normen-TeilTitelZielgruppe
IEC 62443-1-xAllgemeine Konzepte (Terminologie, Konzepte, Modelle)Alle Stakeholder
IEC 62443-2-xBetreiberanforderungen (Policies, Programm, Patch-Management)Betreiber
IEC 62443-3-xSystemanforderungen (Zones & Conduits, Security Level)Systemintegratoren
IEC 62443-4-xKomponentenanforderungen (Secure Development, Produkt-Security)Komponentenhersteller

Zones and Conduits: das Kernmodell

Das zentrale Konzept von IEC 62443-3-3 ist die Einteilung des IACS in Zonen und die Kontrolle des Informationsflusses zwischen Zonen über Konduite (Conduits):

Eine Zone gruppiert Assets (Geräte, Systeme, Netzwerke) mit gleichem Schutzbedarf und gleichen Sicherheitsanforderungen. Typische Zonen in einer Fertigungsumgebung: Enterprise-Zone (ERP, Büro-IT), Demilitarisierte Zone (DMZ, Historian, Übergangsserver), Control-Zone (SCADA-Server, HMI-Stationen) und Field-Zone (SPS, Feldgeräte, Aktuatoren).

Ein Konduit ist ein definierter, überwachter Kommunikationspfad zwischen zwei Zonen. Jeder Konduit hat definierte Sicherheitsmaßnahmen: Firewalls mit Whitelist-Regelwerken, Authentifizierungsanforderungen, Protokollbeschränkungen und Logging-Pflichten. Kommunikation außerhalb definierter Konduite ist grundsätzlich verboten.

Security Levels (SL): Schutzstufenmodell

IEC 62443 definiert vier Security Levels (SL 1–4):

  • SL 1: Schutz gegen zufällige oder unbeabsichtigte Beeinträchtigungen (Basisschutz)
  • SL 2: Schutz gegen einfache vorsätzliche Angriffe mit niedrigem Ressourceneinsatz (Low-Sophistication-Angreifer)
  • SL 3: Schutz gegen sophisticated Angriffe mit mäßigem Ressourceneinsatz (z. B. staatlich gesponserte Gruppen)
  • SL 4: Schutz gegen hochsophistizierte Nation-State-Angriffe (kritische Infrastruktur)

Für die meisten Maschinenbauunternehmen ist SL 2 der relevante Ziellevel – ausreichend gegen Ransomware-Gruppen, die opportunistisch angreifen. SL 3 ist für kritische Infrastrukturbetreiber und Rüstungsunternehmen relevant.

Praktische Umsetzung: die 10 häufigsten Maßnahmen

Auf Basis der IEC 62443-2-1 (Security Management System) und 62443-3-3 (System Security Requirements) sind folgende Maßnahmen für die meisten Fertigungsunternehmen prioritär:

  1. Netzwerksegmentierung: strikte IT/OT-Trennung (→ Network Segmentation)
  2. Anlagendokumentation: vollständiges Asset-Inventar aller OT-Geräte
  3. Fernwartung nur über gehärtete Jump-Server mit MFA
  4. USB-Port-Kontrolle an allen OT-Workstations
  5. Regelmäßiges Patch-Management (→ Patch Management)
  6. Backup & Recovery-Tests für SCADA-Konfigurationen und SPS-Programme
  7. Anomalie-Erkennung im OT-Netz (→ IDS-Systeme)
  8. Security Incident Response Plan für OT-Ereignisse
  9. Mitarbeiterschulung zu Phishing und Social Engineering
  10. Lieferantenmanagement: Sicherheitsanforderungen in Maschinenbeschaffungsverträgen