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Industrielle Konnektivität · Migration

Von PROFIBUS zu PROFINET: Migration zur Industrial-Ethernet-Welt

Klassische Feldbussysteme haben Jahrzehnte zuverlässig funktioniert. Industrial Ethernet bietet höhere Bandbreite, standardisierte Hardware und den Weg zu OPC UA over TSN. Dieser Leitfaden zeigt, wie die Migration gelingt.

PROFINETEtherCATIEC 61784TSN

Klassische Feldbussysteme wie PROFIBUS DP, DeviceNet und CAN-Bus haben die industrielle Automation seit den 1980er Jahren geprägt. Sie sind zuverlässig, bewährt und für ihre jeweiligen Anwendungsfälle optimiert. Trotzdem stehen Fertigungsunternehmen heute vor einer klaren Tendenz: Industrial-Ethernet-Protokolle ersetzen Feldbusse schrittweise – nicht weil Feldbusse schlecht wären, sondern weil Ethernet die technologische Basis für alles liefert, was Industrie 4.0 verspricht.

Vergleich: Feldbus vs. Industrial Ethernet

EigenschaftPROFIBUS DPPROFINET RTEtherCAT
Übertragungsrate12 Mbit/s100 Mbit/s / 1 Gbit/s100 Mbit/s
Zykluszeit1–10 ms1 ms (IRT: <250 µs)31,25 µs–1 ms
NetzwerktopologieLinienbusStern, Linie, RingLinie (Ring optional)
StandardhardwareSpezial-ASIC nötigStandard-Ethernet-NIC (mit RT-Stack)Slave-ASIC (ESC)
OPC-UA-KombinationNicht vorgesehenOPC UA over PROFINET möglichOPC UA over EtherCAT (CoE)

PROFINET: der Siemens-kompatible Weg

PROFINET (IEC 61158, IEC 61784) ist das meistverbreitete Industrial-Ethernet-Protokoll in Europa. Es unterscheidet drei Kommunikationsklassen: NRT (Non-Real-Time, für Parametrierung), RT (Real-Time, Zykluszeiten ~1 ms, für die meisten Maschinenanwendungen ausreichend) und IRT (Isochronous Real-Time, <250 µs, für Servo-Achsen und Robotik). In Siemens-SPS-Umgebungen ist PROFINET der natürliche Migrationspfad von PROFIBUS.

Die PROFIBUS/PROFINET-Migration erfolgt in der Praxis oft mit einem Protokollkonverter (PN/PB-Link), der PROFIBUS-Slaves transparent in ein PROFINET-Netzwerk einbindet – ein pragmatischer Weg, der es erlaubt, Maschinen sukzessive auszutauschen, ohne den gesamten Maschinenpark gleichzeitig umstellen zu müssen.

EtherCAT: Höchste Echtzeitperformance

EtherCAT (Ethernet for Control Automation Technology), entwickelt von Beckhoff und heute durch die ETG (EtherCAT Technology Group) standardisiert, erreicht durch ein innovatives On-the-fly-Processing-Konzept Zykluszeiten bis 31,25 µs: Statt Frames zwischen Master und Slave auszutauschen, lesen Slave-ASICs ihren Bereich direkt beim Durchlauf des Ethernet-Frames und schreiben eigene Daten hinein. 1.000 Achsen können so in 30 µs synchronisiert werden – unübertroffen im Markt.

Time-Sensitive Networking (TSN): die Konvergenz-Plattform

TSN (IEEE 802.1Qxx-Normenreihe) fügt Standard-Ethernet deterministische Eigenschaften hinzu: IEEE 802.1Qbv (Traffic Shaping), IEEE 802.1AS (Zeitsynchronisation) und IEEE 802.1CB (Frame Replication und Elimination). Damit können OPC UA, PROFINET und IT-Protokolle (HTTP, FTP) auf derselben Netzwerkinfrastruktur koexistieren – das Ziel einer einheitlichen Fabriknetzstruktur ohne parallele OT- und IT-Netze.