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Sensorik · IR-Thermografie

Temperatur & Akustik: unsichtbare Fehler sichtbar machen

Wärmebildkameras und Ultraschalltechnik erweitern die Schwingungsanalyse um zwei zusätzliche Signaldimensionen: Hotspot-Erkennung in Schaltschränken und Druckluftlecks in Rohrsystemen werden zuverlässig detektiert.

IR-ThermografieUltraschallTemperatur-MonitoringDruckluft-Leckage

Eine vollständige Maschinendiagnose stützt sich auf mehrere komplementäre Messgrößen. Schwingungen zeigen mechanische Fehler in rotierenden Komponenten; Temperatur zeigt Wärmestaus in Lagern, Motoren und Schaltanlagen; Ultraschall macht gasförmige Lecks und elektrische Entladungen hörbar. Zusammen bilden sie ein robustes Frühwarnsystem.

IR-Thermografie: berührungslose Wärmemessung

Infrarotkameras (FLIR, Optris, Testo) messen die von Oberflächen emittierte Infrarotstrahlung und errechnen daraus die Oberflächentemperatur – ohne Kontakt, aus Distanz, und im Betrieb der Anlage. Typische Anwendungen im Maschinenbau:

  • Elektrische Schaltschränke: Überhitzte Klemmen, schlechter Kontaktwiderstand, überlastete Sicherungen werden als Hotspots im Wärmebild sichtbar, bevor sie zu Bränden führen
  • Motorwicklungen: Ungleichmäßige Temperaturverteilung deutet auf Wicklungsschlüsse oder Phasenasymmetrie hin
  • Lager: Erhöhte Lagertemperatur ist ein später, aber eindeutiger Schadensindikator – früher als Schwingungen bei langsam laufenden Maschinen (< 100 RPM)
  • Getriebe: Kühlleistung des Getriebeöls beurteilen, Hotspots bei Zahnflanken-Schäden
  • Refractory-Auskleidungen: Brennöfen, Autoklaven – Dünnstellen im Feuerfestmaterial zeigen höhere Außentemperaturen

Für stationäres Monitoring werden kompakte Infrarot-Array-Sensoren (Optris PI 160, FLIR Lepton) fest installiert und überwachen kontinuierlich – kostengünstiger als vollwertige Wärmebildkameras für Rundgänge.

Ultraschalltechnik: akustische Lecksuche

Ultraschallgeräte detektieren hochfrequenten Schall im Bereich 20–100 kHz, der für das menschliche Ohr unsichtbar ist. Durch ein Heterodyn-Verfahren wird das Ultraschallsignal in den hörbaren Bereich heruntergemischt. Anwendungen:

  • Druckluftlecks: Druckluft ist in der Fertigung die teuerste Energie pro kWh. Ein 1-mm-Leck bei 6 bar kostet ~1.500 €/Jahr. Ultraschalldetektion findet Lecks in Rohrsystemen, Kupplungen und Zylinderanschlüssen ohne Produktionsstillstand
  • Vakuumlecks: Dieselbe Technik umgekehrt – Luft strömt in das Vakuumsystem ein und erzeugt das charakteristische Ultraschall-Signal
  • Elektrische Teilentladungen: Hochspannungsanlagen (Transformatoren, Schaltanlagen, Kabelanschlüsse) erzeugen bei beginnender Isolationsschwäche Koronaentladungen, die als Ultraschall detektierbar sind
  • Lager-Früherkennung: Für sehr langsam laufende Maschinen (Windturbinen, Mischer, < 20 RPM) ist Ultraschall empfindlicher als Schwingungsanalyse

Kontinuierliches Temperatur-Monitoring via PT100 und Thermoelemente

Für permanente Temperaturüberwachung werden kontaktbasierte Sensoren eingesetzt:

SensortypMessbereichGenauigkeitTypische Anwendung
PT100 (RTD)-200 bis +600 °C±0,3 K (Klasse B)Motorwicklungen, Lager, Prozesstemperatur
Thermoelement Typ K-200 bis +1260 °C±2,2 KÖfen, Schweißanlagen, Hochtemperaturprozesse
NTC/PTC-50 bis +150 °C±1 KEingebaut in Motorwicklungen als Überhitzungsschutz
IR-Array (MEMS)0 bis +400 °C±2 KBerührungslose Flächen-Überwachung

Kombinierter Ansatz: Die wirkungsvollste Diagnose kombiniert Schwingungsanalyse + Temperatur + Ultraschall in einem integrierten Sensor (z. B. ifm LR/LK-Serie, Balluff BIS, Bosch CISS). Ein Mehrgrößen-Sensor liefert eine zuverlässigere Diagnose als einzelne spezialisierte Sensoren, da Defekte sich in mehreren Signalen gleichzeitig manifestieren.